Worte des Gedenkens des MOV-Vorsitzenden, VAdm a.D. Wolfgang Nolting, anlässlich der 100-jährigen MOH/MOV-Jubiläumsveranstaltung am 2. Juni 2018 in der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven

Wir Menschen brauchen Orte des Gedenkens und des Erinnerns und der Trauer, um inne zu halten und still zu werden.

Wir brauchen Orte des Gedenkens, des Erinnerns und der Trauer, damit wir im raschen Wechsel der Zeit den richtigen Kurs halten können.

Wir brauchen Orte des Gedenkens, des Erinnerns und der Trauer. Wer der Toten nicht gedenkt, weicht auch dem eigenen Leben aus.

Wer der Erinnerung ausweicht, der hält sich selbst für keiner Aufmerksamkeit wert. Wer nicht trauern kann, der kann sich auch nicht dem Leben zuwenden. Auch dieses Gotteshaus und das darin beheimatete Mahnmal ist ein solcher Ort des Gedenkens.

Unser andächtiges Verweilen zu dieser Stunde gilt der Erinnerung an unsere Gefallenen und Gestorbenen der Marine von einst und heute, die aus welchen Motiven auch immer – im guten Glauben an die Richtigkeit ihres Handelns für Deutschland wirkten.

Wir gedenken der Toten aus den Generationen unserer Väter und Großväter, die in grausamen Kriegen ihr Leben ließen.

Viele von ihnen kämpften in gutem Glauben und fanden den Tod. Viele kämpften mit ihren Zweifeln und fielen für ihren Gehorsam. Einige erkannten das Unrecht und wurden für ihre Überzeugung und ihren Widerstand getötet.

Kein Mensch vermag das unermessliche Leid zu fassen, welches Krieg und Gewalt Menschen antun kann.

Im gemeinsamen Gedenken der Opfer erkennen wir, welche Verantwortung uns aufgetragen ist, damit Menschen in Freiheit und Menschenwürde leben können.

Wir gedenken der Toten, damit nicht aus Opfern Helden werden, sondern damit sich ihr Schicksal nicht wiederholt.

Im gemeinsamen Erinnern übernehmen wir das uns anvertraute geschichtliche Erbe und halten die schmerzende Frage wach: „Wie konnte solches geschehen?“

So lege ich nun diesen Kranz der Marine-Offizier-Vereinigung nieder zur Erinnerung an unsere einstigen Weggefährten, zum Trösten der Hinterbliebenen und zur Mahnung an heutige und spätere Generationen: Vergesst die Toten nicht und wehret dem Bösen!