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#UXO20 – erste virtuelle Fachtagung des Naval Innovation Teams (NIT) – Jetzt mit Whitepaper

Militärische Fachtagungen können aufgrund ihres Ablaufes und ihrer Wirkung als eigenständiges Veranstaltungsformat bezeichnet werden. Ein wesentliches Element ist hierbei die sogenannte „Face Time“, also dass sich alle Beteiligten die gesamte Zeit über gegenüberstehen (können).
Was passiert aber, wenn genau dies auf unbestimmte Zeit nicht mehr möglich ist? Wegen eines hochansteckenden Virus etwa?

Corona fördert Digitalisierung

Bislang wurde über dieses Szenario hierzulande wenig nachgedacht, da Deutschland von solch einer Situation in der Vergangenheit glücklicherweise verschont geblieben ist. Folglich fehlten Ansätze, um damit umzugehen. Denn der Bedarf, miteinander zu reden und komplexe Zusammenhänge zu lösen, hört mit der Massenquarantäne schließlich nicht auf.

Das Naval Innovation Team (NIT) des Deutschen Maritimen Instituts e.V. (DMI) versuchte aus dieser Lage eine Tugend zu machen und wandelte die ursprünglich für Anfang Juni geplante ganztägige Präsenzveranstaltung #UXO20 in eine dreistündige virtuelle Konferenz um. Als Kooperationspartner stand der Initiativkreis Zukunft (IKZ) der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT) zur Seite.

Wie die englische Abkürzung bereits andeutet („Unexploded Ordnance“), ging es bei #UXO20 um die Abwehr von Blindgängern, also nicht detonierten Kampfmitteln. Für die Deutsche Marine handelt es sich dabei um ein Dauerthema – sowohl mit Blick auf aktuelle Konflikte als auch im Umgang mit Altlasten, von denen speziell Deutschlands Hinterhof, die Ostsee, stark betroffen ist.

Dauerthema Minenabwehr

Seeminen und auf dem Meeresgrund versenkte Munition sind bekanntlich Sachverhalte, die sich sozialwissenschaftlich nicht wegdiskutieren lassen. Stattdessen bedarf es der hohen deutschen Ingenieurskunst, um mittels raffinierter Technik einerseits Spreng- und Giftstoffe unschädlich zu machen und andererseits Mensch und Natur während dieses Akts zu schützen.

Wie dies zukünftig funktionieren kann, diskutieren am 26.06.2020 in zwei Panels zu jeweils drei Sessions fast 200 angemeldete Teilnehmer aus Militär, Wissenschaft und Industrie. Die hohe Relevanz der Thematik, aber auch das übergreifende Interesse, diesen technischen Testballon selbst in Augenschein zu nehmen, unterstrich die Teilnahme mehrerer Flaggoffiziere, darunter Vizeadmiral Rainer Brinkmann, Stellvertreter des Inspekteurs der Marine sowie Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte.

Unter Rückgriff auf das Videokonferenzprogramm Webex, welches auch von dienstlichen PC´s (also Bundeswehrteilnehmer) aus genutzt werden darf, gelang es dem NIT, den Anteil von Soldaten und Teilnehmern aus Wissenschaft und Industrie paritätisch zu halten. Jeder Teilnehmer war durch direkte Zuschaltung ein gleichberechtigter Gast in der Session und konnte sowohl mündlich als auch schriftlich über den Chat Fragen stellen. Auch dies stellt einen markanten Unterschied zu Präsenzveranstaltungen dar, die ob ihrer Größe meist nur eine Ein- beziehungsweise Unterteilung in Podium und Auditorium zulassen.

In den sechs Sessions ging es dann unter anderem um Fragen wie, welche Rolle Künstliche Intelligenz bei der Minenabwehr spielen wird oder wie die zukünftigen Plattformen beziehungsweise Boote aussehen werden, mit denen die Deutsche Marine auf Minenjagd gehen wird. Die Auswahl fand im Vorfeld unter Einbezug von Vertretern der Streitkräfte wie der Wissenschaft und Industrie statt. Dabei spielten nicht nur „die üblichen Großen“ eine Rolle, sondern auch kleinere Organisationen und Stellen.

Wenngleich nicht immer Einigkeit herrschte und manch Nachfrage offen blieb, zeigte sich dennoch, dass nach wie vor ein hoher Informationsbedarf besteht und es an Formaten wie #UXO20 fehlt, um sich regelmäßig miteinander austauschen, anschließend Lösungen zu finden oder Ansätze durch Experten kritisch prüfen zu lassen.

Ansatz des NIT geht auf

Das NIT begleitete die Sessions durch Moderation im Vorder- und protokollieren im Hintergrund. Trotz sogenannter Chatham House Rules sollten die Ergebnisse der Diskussionen der Nachwelt in Form eines White Papers erhalten bleiben, damit #UXO20 mehr als eine einmalige Videokonferenz bleibt. Die Zusammenfassung der Ergebnisse des Events finden sie in diesem Whitepaper. Für Rückfragen zur Veranstaltung oder dem Whitepaper erreichen Sie das NIT via event@naval-innovation-team.com

Die vom NIT entwickelten dynamischen Prozesse der Veranstaltungsdurchführung sorgten dafür, dass sowohl am Ende jeder Session als auch der gesamten Veranstaltung den virtuell Anwesenden ein strukturiertes Fazit geboten werden konnte. Möglich war dies durch intern parallel geführte Chats, in denen sich die Mitglieder des NIT laufend austauschten. Jeder wusste daher, wie der inhaltliche und ablauforganisatorische Stand in den verschiedenen Sessions war und konnte so auf die anderen reagieren.

Der Vorsitzende des DMI und Kommandeur der Einsatzflottille 1, Flottillenadmiral Christian Bock, zog am Ende von #UXO20 eine positive Bilanz: Bis auf wenige technische Störungen verlief die Fachtagung reibungslos und äußerst konstruktiv. #UXO20 hat sich damit bewährt und zeigte, dass virtuelle Begegnungen fortan weniger die Ausnahme, sondern eher die Regel sein dürften.

Das NIT plant derweil weitere Veranstaltungen dieser Art.

Weitere Informationen auf www.naval-innovation-team.com oder unter team@naval-innovation-team.com

Text: Autorenteam NIT