„Gorch Fock“ – die notwendige Hoffnung lebt!

Was sich in den letzten Monaten um die „Gorch Fock“ abgespielt hat, wird mittlerweile leider nicht ohne Grund als „Wirtschaftskrimi“ oder auch als Affäre bezeichnet.

Mit dem Insolvenzantrag der Reparaturwerft ist ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Das darf und muss aber nicht dazu führen, sich endgültig von der „Gorch Fock“ zu verabschieden.

Eine Affäre oder Straftat lässt sich aufklären und man wird die notwendigen Schlüsse und Maßnahmen ziehen bzw. ergreifen. Allerdings geraten bei der aktuellen Berichterstattung drei Punkte immer mehr in den Hintergrund. Erstens, warum wird die Ausbildung auf einem Segelschulschiff als notwendiger und fester Bestandteil der Offiziersausbildung gesehen? Zweitens, wie empfindet die Besatzung unserer „Gorch Fock“ diese z.T. unsägliche Entwicklung? Drittens, wie ist die Rolle der „Gorch Fock“ als Botschafter unseres Landes zu bewerten?

Die Ausbildung auf unserem Segelschulschiff hat, trotz moderner Technik auf den anderen Einheiten der Marine, eine lange Tradition und ist nach wie vor von großer Bedeutung für den angehenden Marineoffizier. Das Erleben des Wetters in See, der körperlichen Belastung und der kameradschaftlichen Abhängigkeit voneinander, ist nirgendwo intensiver zu erleben und wird damit zu einer unvergesslichen Erfahrung der OffiziersanwärterInnen.

Seemannschaft als berufsspezifische Grundlage der Seefahrt kann nur auf einem von Wind und Wetter abhängigen Segelschiff glaubhaft vermittelt werden. Die für viele junge SoldatenInnen völlig ungewohnte Enge, vor allem aber das hohe Maß an Belastung durch Seegang, fehlender Schlaf und die körperliche Anstrengung in der Takelage und an Oberdeck zwingen auch einmal „den inneren Schweinhund“ zu überwinden und sich den anstrengenden Herausforderungen zu stellen.

Der Mangel an Komfort und eine ständig notwendige Rücksichtnahme sind für viele junge OffiziersanwärterInnen ungewohnt, aber die Grundlage für die Bildung von Kameradschafts- und Teamgeist. Daraus erwächst Zusammenhalt, Zusammenhalt der eine Besatzung erst zu einer solchen macht.

Das Erlebnis „Gorch Fock“ ist damit unverzichtbar prägend für unsere künftigen Vorgesetzten.

Es kann und muss deshalb heißen: Erhaltet die „Gorch Fock“!

Wer jemals eine Werftliegezeit auf einem Schiff mitgemacht und erlebt hat weiß, wie sehr sich die Besatzung wieder auf die Seefahrt freut.

Der eintönige Dienst in der Werft, geprägt durch Wache gehen, meist nur einfache Instandhaltungs- oder Wartungsaufgaben sowie sehr eingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten wird schon nach kurzer Zeit als frustrierend empfunden.

Nunmehr drei Jahre Werftzeit liegen hinter Kommandant und Besatzung „Gorch Fock“, das allein ist schon Qual für einen Seefahrer genug. Doch darüber hinaus sieht sich die Besatzung dann auch noch der Häme einzelner Presseberichte ausgesetzt. Die Frauen und Männer an Bord verdienen Anerkennung und Unterstützung in ihrer Hoffnung, bald wieder unter Segeln zur See fahren zu können.

Der Aspekt Botschafter unseres Landes wird oft am Rande erwähnt. Dabei wird verkannt, welchen Bekanntheitsgrad die „Gorch Fock“ weltweit hat und welch positiv außenpolitische und diplomatische Wirkung sie bei den Reisen erzielt.

Seit der Jungfernfahrt 1958 gab es keinen besseren Botschafter für die Bundesrepublik Deutschland in der Welt als die „Gorch Fock“ und keinen besseren Ausbildungsplatz zur Prägung einer künftigen Vorgesetztengeneration.

Es gibt also vielerlei Gründe für den Erhalt der „Gorch Fock“ zu werben und zu kämpfen!

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), spricht sich für eine zügige Lösung aus. „Es muss jetzt dafür gesorgt werden, dass die Marine schnell ein Schiff bekommt. Entweder die „Gorch Fock“ oder ein neues Schiff. Diese Frage sollte unabhängig von der Untersuchung der Vorgänge auf der Werft zeitnah entschieden werden“.

Unterstützen wir den Wehrbeauftragten in seiner Forderung, jeder an seinem Platz und in seinem Umfeld.

 

Für den Gesamtvorstand der MOV, Jürgen Herling KzS a.D. und 9. Beisitzer