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Digitalisierung – Fluch oder Segen für die Bundeswehr?

Die Marine-Offizier-Vereinigung (MOV) und die Deutsche Atlantische Gesellschaft hatten zu einem Vortragsabend mit Meinungsaustausch zu diesem Thema am 19. März 2019 ins Waldhotel nach Rheinbach eingeladen. Über 80 Gäste waren dieser Einladung gefolgt.
Der Vorsitzender der MOV, Vizeadmiral a.D. Wolfgang E. Nolting begrüßte als Vortragenden den
Flottillenadmiral Roland Obersteg, Abteilungsleiter Führung im Kommando Cyber-und Informationsraum (CIR).

„Fortschritte durch Digitalisierung prägen mit rasantem Tempo unsere Gesellschaft und beeinflussen diese maßgeblich, ob wir nun mitgestalten wollen oder nicht“ so Obersteg „auch die Bundeswehr profitiert von der zunehmenden Digitalisierung.“
An Beispielen schilderte Obersteg eindrucksvoll die Bedeutung von Cyber z.B. bei der Einsatzfähigkeit von Schiffen, bei der Beschaffung von Waffensystemen etc.
Er stellte mögliche Cyber-Bedrohungsszenarien vor bei
– Verwundbarkeit von Netzen
– Einflüssen auf Gesundheitsversorgung, Rechnungswesen, Logistik, Personalmanagement, Bürokommunikation und Führungsinformationssysteme.

Alle diese Bereiche (auch die der Bundeswehr) unterliegen einer ständigen Bedrohung von innen und außen. Unterschiedliche Akteure von Terroristen bis hin zu Hackern und Innentätern bewegen sich im Cyber- und Informationsraum und versuchen in die unterschiedlichen Bereiche einzudringen und ggf. zu beeinflussen.

Die Bundesrepublik Deutschland und deren Organe haben hinsichtlich Cyber Sicherheit eine gesamtstaatliche Verantwortung zur Entwicklung und Durchsetzung einer Sicherheitsstrategie, um unser Land verteidigungsfähig zu machen und zu halten. Dafür sind Strukturen, Verfahren und Mittel möglichst ressortgemeinsam einzusetzen.

Obersteg stellte CIR als 5. Dimension neben Luft, Land, See und Weltraum vor, für die es gilt, zukünftige (Krisen-) Szenarien zu entwickeln.
Die Vorstellung des neuen Bundeswehr-Organisationsbereiches CIR und dessen neue Cyberfähigkeiten bildeten einen weiteren Block im Vortrag des Abteilungsleiters, gefolgt von der Darstellung neuer Elemente, die im Rahmen von „Innovation“ noch gemeinsam mit anderen Ressorts aufzubauen sind (z.B. Agentur für Cybersicherheit in der Region Halle-Leipzig; CIH (Cyber Innovation Hub)).

„Die Personalgewinnung von Spezialisten (Cyber IT Fachkräfte), der Aufbau einer Cyber Reserve (nicht nur Reservistendienstleistende sondern Gewinnung von Spezialisten für einen Dienst und eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr) und die Etablierung neuer Wege/Möglichkeiten in den Laufbahnen um diese Fachkräfte in der Bundeswehr zu halten, sind jetzt die größten Herausforderungen“ so Obersteg, „ebenfalls muss der Grundsatz Führen mit Auftrag mit neuem Leben erweckt werden. Durch Information/Beteiligung aller Stellen einer Hierarchie am „Geschehen“ in Echtzeit besteht die Gefahr, dass z.B. aus einem Kommando Befehle direkt auf ein Schiff gegeben werden, wenn ein höherer Kommandeur dies für geboten hält. Das ist auf jeden Fall zu vermeiden. Entscheidungen sollte der Kommandant auf Basis seines Lagebildes vor Ort treffen.“

Oberstegs Vortrag endete mit einer kurzen Zusammenfassung.
Einzelheiten des Vortrags finden sie hier.

Die anschließende Frage- und Diskussionsrunde zeigte den enormen Wissensdurst des Auditoriums. Erst nach 45 Minuten konnte Vizeadmiral a.D. Nolting die Veranstaltung beenden und Flottillenadmiral Obersteg für seine sehr informativen Ausführungen herzlich danken.

Text und Fotos: Hartmut Renzel