Begrüßungsansprache des MOV-Vorsitzenden, VAdm a.D. Wolfgang Nolting, zum Festakt der MOH/MOV anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums am 2. Juni 2018 im ATLANTIC Hotel Wilhelmshaven

Herr Bürgermeister, Verehrte Ehrengäste,
meine sehr geschätzten Damen und Herren,
liebe Mitglieder, Kameraden und Freunde.

es ist mir große Ehre und besonderes Vergnügen Sie am heutigen Abend zum Höhepunkt unseres Festaktes zur hundertjährigen Wiederkehr unserer Geburt zuvorderst begrüßen zu können! Seit Freitagabend trifft sich die große Familie unserer Vereinigungen in unterschiedlicher Zusammensetzung, genießt das Wiedersehen oder lernt neue Bekanntschaften zu knüpfen. Ich freue mich über die große Anzahl und danke Ihnen allen zunächst pauschal für Ihre Teilnahme am Festakt und heiße Sie offiziell heute Abend herzlich willkommen.

Eine Ehre ist es für mich persönlich, weil ich das Glück habe dieses im geschichtlichen Kontext seither bedeutendste Jubiläum der MOV als ihr Vorsitzender an verantwortlicher Stelle durchführen zu dürfen und das auch noch in meiner Geburts- und Vaterstadt.

Denn wer meinen Lebenslauf kennt, weiß, dass ich gebürtiger Wilhelmshavener bin und die Erinnerung an meine Kindheit und Schulzeit ist noch ebenso wach wie meine Hochzeit in der Christus – und Garnisonskirche und die Geburt unserer Kinder. Auch durfte ich viele Jahre meiner Marinelaufbahn in dieser Stadt unter einem glücklichen Stern verbringen.

Umso mehr freut es mich, dass mir der ehrenamtliche Bürgermeister Uwe Reese seit vielen Jahren bekannt ist, am Beginn als das geschätzte Torwartidol vom TSR Olympia, später als den an der Bundeswehr interessierten Ratsherrn bei einem Info-Besuch im BMVg Berlin und heute als unseren Gastgeber im Rathaus in Vertretung des Oberbürgermeisters Wagner. Ich freue mich über das Wiedersehen und danke für Ihren herzlichen Empfang in unser aller Namen.

Eine besondere Ehre für die MOV bedeutet es, dass der Inspekteur der Marine, Herr Vizeadmiral Andreas Krause, anwesend ist. Abgesehen von seinem persönlichen Engagement für die MOV unterstreicht er doch mit seiner heutigen Teilnahme wieder einmal die seit langem bestehende kameradschaftliche und inhaltliche Verbundenheit zwischen der Marine und unserer Vereinigung. Jeder weiß um den engen Terminkalender eines Inspekteurs und daher wissen wir die Teilnahme an einem Wochenende besonders zu schätzen.

Eine ebenso kameradschaftliche Beziehung pflegen wir aber auch zu anderen Marineverbänden und ich begrüße den Präsidenten des Deutschen Marinebundes, Herrn Staatssekretär a.D. Heinz Maurus, herzlich. Der DMB als größter Marineverband in Deutschland – viele MOV-Mitglieder besitzen einen Doppelmitgliedschaft – steht uns besonders nahe. Sie wird dokumentiert durch eine 2014 erneuerte Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen DMB und MOV.

Als Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr begrüße ich mit besonderer Freude Herrn Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann. Er ist erst der dritte Marineoffizier in Führungsposition in der langen Geschichte dieses gewachsenen und durch die Sozialwissenschaften verstärkten Amtes. Sowohl die Person wie auch das Amt halfen und helfen uns in der historischen Einordnung und Wahrheitsfindung militärgeschichtlicher Ereignisse unserer Marinen. Er vertritt heute zugleich auch den uns eng verbundenen Freundeskreis Marineschule Mürwik.

Mit den vier genannten Herren schließt sich zunächst auch der Kreis , der uns mit einem willkommenen Grußwort beehren wird.

Keine Vereinigung kommt bei Jubiläen an einem Festvortrag vorbei, ja erwartet ihn geradezu. Die Kernzelle aller Marineoffiziere war und ist die Marineschule Mürwik. Zu dieser einzigartigen Ausbildungsstätte pflegen wir seit jeher ein besonders enges Verhältnis, denn wir sind am Nachwuchs des Offizierkorps interessiert und an seiner Förderung begleitend tätig. An der MSM lernen auch wir als MOV immer wieder im Gespräch aktuelle Auffassungen und Meinungen dieser ungeschliffenen Rohdiamanten kennen. Daher sind wir besonders dankbar, dass der ehemalige Kommandeur der MSM und nachfolgend Kommandeur der Führungsakademie und heutiger Abteilungsleiter Ausrüstung, sich schon vor über einem Jahr bereit erklärt hatte, den Festvortrag zu halten. Unser besonderer Willkommensgruß und dabei ungebremste Erwartungshaltung gilt Ihnen, Herr Konteradmiral Carsten Stawitzki. Angesichts der erwarteten und komplexen Herausforderungen auf dem neuen Dienstposten des Rüstungsdirektors könnte Ihre Anwesenheit heute quasi zum letzten erholsamen Heimspiel werden.

Wenn ich am Beginn meiner Begrüßungsworte von einem Familientreffen, zugegeben einem erweiterten, sprach, so leite ich daraus ab, meine Damen und Herren, dass Reihenfolge keine protokollarische Rangfolge in der Begrüßung bedeutet. Es entspricht aber auch dem Wesenskern unserer Vereinigungen, dass wir untereinander gleichberechtigte Kameraden und Brüder und Schwestern im Geiste sind. Gleiches gilt für weitere, uns nahestehende Verbände, Kommandos, Kommandeure, öffentliche Würdenträger und großherzige Unterstützer der maritimen Interessensgemeinschaft.

Dies gibt mir auch den Mut, auf die weitere Begrüßung von Familienmitgliedern und Freunden nur stichwortartig einzugehen und erst am Ende dieses Blocks um anerkennenswerten Beifall durch alle Teilnehmer zu bitten:

Begrüßen Sie mit mir und heißen willkommen:
Den Chef des Stabes beim MarKdo, Herrn Konteradmiral Thorsten Kähler, der häufig in unseren MV die Lage der Marine erläutert hat,
den Kommandeur der Einsatzflottille 2, Herrn Flottillenadmiral Christoph Müller-Meinhard, und den Kommandeur des Logistikzentrums des Bundeswehr, Herrn Brigadegeneral Gert Nultsch,
Herrn Kapitän zur See a.D. Michael Setzer als Vorsitzenden des VDU,
Herrn Fregattenkapitän Marco Thiele als Vorstand Marine des DBwV,
Frau Jenny May-Barg als Vorstandsmitglied der Reunion Marine ,
als unsere Ehrengäste aus Wilhelmshaven stellvertretend für alle Herrn Staatssekretär Dr. Hans-Joachim Gottschalk und Herrn Konsul a.D. Friedrich A. Meyer und schließlich Frau Ursula Knaup als Crewbetreuerin der Crew XII/39,
als interne Ehrengäste von MOV und Deutschem Maritimen Institut (DMI) unser Ehrenmitglied und früherer, langjähriger Vorstandsvorsitzender, Herrn Flottillenadmiral a.D. Karlheinz Max Reichert sowie nicht minder herzlich die höchsten Vertreter des DMI mit ihrem Präsidenten, Vizepräsidenten und den gestern neu gewählten Vorsitzenden, nämlich die Herren Vizeadmiral a.D. Hans-Jürgen Stricker, Konteradmiral a.D. Ulrich Otto und Flottillenadmiral Christian Bock
Und last but not least alle im Saal anwesenden Damen, denn Sie sind es, die Ihre Ehemänner oder Lebensgefährten hilfreich unterstützen, nicht selten die Rolle des Blitzableiters ertragen und mit Rat und Tat hilfreich zum erfolgreichen Gelingen auch unserer Vereinigungen beitragen. Chapeau! Applaus!!

Lassen Sie mich meine Begrüßungsansprache schließen mit einigen wenigen Gedanken zu unserer hundertjährigen Geschichte und Worten des besonderen Dankes.

Nur einen Tag nach dem Waffenstillstand in den Wäldern von Compiegne, der den ersten Weltkrieg beendete, wurde in Wilhelmshaven in der Turnhalle in der damaligen Kaiserstraße auf Initiative von Fregattenkapitän Georg Freiherr von Bülow unsere Vereinigung als Marine Offizier Hilfe am 12. November 1918 gegründet. Es galt, in kameradschaftlichem Miteinander den abgehenden Marineoffizieren konkret zu helfen, mit den Ungewissheiten ihrer Zukunft fertig zu werden, die durch Wahl, Suche und das Ausüben eines neuen Berufes auf sie zukamen.
Ein gigantisches, erfolgreiches Arbeitsbeschaffungsprogramm war aus der Taufe gehoben. Wenn auch dies begleitet war von dem vorherrschenden Standesgedanken des Offizierkorps so wird erst im Zusammenhang mit dem Matrosenaufstand und dessen Folgen begreifbar, welch enorme Bedeutung die untergegangene Kaiserlichen Marine für die soziale Entwicklung in Deutschland hatte. Der Solidargedanke war geboren und wir hatten Anteil.

Der Kerngedanke der Hilfe für abgehende Marineoffiziere erfuhr in der Weimarer Republik – Stichwort Reichsmarine – nicht nur eine Namensänderung, sondern vor allem auch eine Erweiterung in der Zielsetzung unserer Vereinigung, weil man sich auch für die Förderung des kameradschaftlichen Zusammenhalts aktiver und ehemaliger Marineoffiziere sowie der Pflege der Tradition und Förderung des Seegedankens zuwandte.

Auch wenn die folgenden Jahre des Krieges und die ersten Jahre der Nachkriegszeit zu Wiedergründungen, Aufteilung in eigenständige Geschäftsbereiche, Namensänderungen und Neugründungen wie das Deutsche-Marine-Institut oder das in der inhaltlichen Weiterentwicklung zum Deutsches-Maritimes-Institut wurde, bleiben die Kernziele aus der Zeit der Weimarer Republik unserer Vereinigung erhalten. So bilden drei Hauptziele den Schwerpunkt unserer heutigen Anstrengungen, die auch erst gemeinsam den innerlichen Zusammenschluss von MOH – MOV – DMI deutlich werden lassen.
Zuerst ist da die Hilfe für in Not geratene Marineangehörige – nicht nur Offiziere. Als zweites ist die Pflege der Kameradschaft zu nennen, das Zusammenhalten einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten über die Generationen und Dienstgrade hinweg, auch zwischen Aktiven, Pensionären und ehemaligen Zeitoffizieren aller deutschen Marinen. Uns eint die Identifikation mit dem Beruf des Marineoffiziers. Drittens und mit gewachsener Bedeutung geht es um die Verbreitung maritimen Gedankengutes vor allem im politischen Raum, der Kernauftrag des DMI. Wir sind also ein Verbund von maritimen Experten mit einer starken kameradschaftlichen und emotionalen Komponente und einem selbst gestellten Aufklärungsauftrag mit Blick auf die weltweiten, maritimen Zusammenhänge und Herausforderungen.
Nehmen wir den kommenden12. November 2018 zum Anlass, uns der nunmehr hundertjährigen Geschichte unserer Vereinigung durchaus mit Stolz auf das Geleistete zu erinnern, aber auch als Mahnung zu verstehen, Traditionswerte hochzuhalten, Hilfe zu leisten und den Weg des Miteinander weiterhin zu pflegen und fortzuschreiben.

Am Ende meiner einleitenden Worte möchte ich mich nun bei zwei hier anwesenden Herren im Namen des Gesamtvorstandes für ihre Beiträge bedanken, die zum Gelingen dieses Jubiläumstages ganz entscheidend beitrugen:
• Zum einen bei unserem „MOV-Haushistoriker“, wie wir ihn gerne nennen, unserem Fregattenkapitän a.D. Dr.Heinrich Walle: – er hat wieder einmal mit großem Fleiß und Sachverstand die an Sie heute verteilte Festschrift erstellt sowie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Marinemuseum die kleine Bilddokumentation, die Schautafeln, die im Foyer aufgestellt sind. Schrift wie Dokumentation geben bündig und anschaulich Zeugnis von der Geschichte von MOH/MOV und wie sie sich heute darstellt.
• Zum anderen für die fortwährende, kameradschaftliche Unterstützung des Vorsitzenden des DMM und gleichzeitig unseres hiesigen Regionalbeauftragten Konteradmiral a.D. Gottfried Hoch für Organisation und Ablauf dieser Veranstaltung. Er hat damit in hohem Maße zu ihrem Gelingen beigetragen.

Mit großer Freude, meine Damen und Herren, werden die in dieser Region stets kundigen Teekenner das kleine Präsent der Teekontors Paul Schrader u. CO gesehen haben. Seit 1921 existiert dieses Haus in Bremen und sein Gründer diente als Fkpt in der Kaiserlichen Marine. Ganz getreu seiner Devise: „Bewährtes beibehalten und doch ständig weiterentwickeln“ können Sie noch heute die damals in der Marine so beliebte Teesorte Nr. 6 bestellen, eine Mischung aus feinem First Flush- und Second Flush-Tea aus der Hochebene Darjeelings.

Ich danke Ihnen