Geschichte

mov_geschichte_header

Die MOV, eine Werte- und Interessengemeinschaft seit 1918

 

Am 12. November 1918 gründete der Fregattenkapitän Georg Freiherr von Bülow in Wilhelmshaven eine Notgemeinschaft, zur Unterstützung von Offizieren, die wegen der von den Siegermächten am Ende des Ersten Weltkrieges erzwungenen Auflösung der Kaiserlichen Marine entlassen werden mussten. Mit einem Netzwerk sollten durch kamerad­schaftliche Selbsthilfe Wege ins Zivilleben zum Aufbau neuer wirt­schaftlicher Existenzen erschlossen werden. Schon von Anfang an wurde deutlich, dass eine solche Organisation nur funktionsfähig sein konnte, wenn sie auf den ethischen Grundlagen basierte, die generell die Basis des Offizierberufes waren. So entstand aus dem zunächst als Zweckverband unter dem Namen "Marine Offizier Hilfe" (M.O.H.) gegründeten Zusammenschluss seit 1922 der "Marine-Offizier-Verband" (M.O.V.) Unter diesem Namen bestand diese Vereinigung von aktiven und ehemaligen Marineoffizieren bis 1939 und erwies sich als eine Gemeinschaft von Männern, die sich über das soziale Engagement hinausgehend über ein breites Spektrum von Erfahrungen Fragen des Berufes auszutauschen begann.

Diese Entwicklung spie­gelt sich auch in dem seit der Gründung herausgegebenen Verbandsorgan, das 1919 als "Nachrichten der Marine-Offizier-Hilfe" seinen Anfang nahm, seit 1966 "MOV-Nachrichten" hieß und 1973 zum heute noch bestehenden "Marineforum" umgestaltet wurde. Von einem reinen sachorientierten Mitteilungsblatt mutierte die Zeitschrift schon bald zu einer Art von geistiger Heimat, wo man Gleichgesinnte treffen und Verständnis finden konnte. Auch gegenwärtig ist das "Marineforum" als „renommier­te Marinezeitschrift“, so die kürzlich erfolgte Bewertung eines angesehenen Magazins, für die maritimen Interessen und die Sicher­heitspolitik unseres Landes eine wichtige Klammer für den Zusammen­halt der MOV.

Die MOV hatte sich, nachdem die erste Not durch die engagierte Kameradenhilfe ihrer Mitglieder schrittweise behoben werden konnte, bis zu der von den Siegermächten 1945 erzwungenen Auflösung zu einer Standesorganisation von aktiven und ehemaligen Marineoffizieren entwickelt, die als Soldaten damals bis 1945 noch ein aus der Gesellschaft herausgehobener Stand mit beispielsweise eigener Gerichtsbarkeit waren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Not mit Sicherheit größer als nach 1918. Zwar war die MOV bereits 1939 auf Grund der kriegsbedingt steigenden Not wieder in "Marine-Offizier-Hilfe" umbenannt worden. Nach Konsolidierung der Bundesrepublik Deutschland konnte sie dann 1952 wieder als MOH ins Leben gerufen werden. Der Zweck entsprach dem von 1918.

Mit dem Aufbau der Bundeswehr kam die Notwendigkeit der Pflege einer engen Verbunden­heit zur neuen Deutschen Marine hinzu. Da das Grundgesetz der Bundesrepublik die Gleichheit aller Bürger und damit keine Stände mehr kennt, konnte die wieder ins Leben gerufene MOH auch keine Standesorgani­sation mehr sein. Sie musste sich zu einem Zusammenschluss freier und gleicher Bürger umformieren und die aktiven Mitglieder aus den Reihen der "Bundesmarine" waren demnach nichts anderes als "Bürger in Uniform. Diesen Herausforderungen hatte sich der Vereinsvorstand mit großem Engagement gestellt und die bis heute gültigen organi­satorischen Konsequenzen gezogen.

So wurde die MOH 1966 wieder in "Marine-Offizier-Vereinigung" (MOV) benannt, die, so zu sagen, das organisatorische Dach bildet, während sich die MOH auf die Wahrnehmung der sozialen Aufgaben konzentrieren konnte. In der langen Geschichte der MOV ist der Zeitraum von 1963 bis 1978, als Flottillenadmiral a.D. Alfred Schumann (1902 - 1985) den Vorsitz innehatte, die wohl prägendste Zeit gewesen, da hier Wege eingeschlagen wurden, die gegenwärtig noch Sinn und Akti­vitäten von MOV, MOH und DMI maßgeblich bestimmen. Der Vorsitzende und seine noch im aktiven Dienst stehenden Helfer, damals noch junge, aber nicht mehr kriegsgediente Stabsoffiziere, waren sich bewusst, dass die MOV kein Veteranenverein sein durfte. Man hatte erkannt, dass eine Vereinigung von Offizieren, die schwerpunktartig und ausschließlich die Pflege der Kameradschaft betrieb, viele der jün­geren Marineoffiziere nicht mehr ansprach. So begann die MOV ihre Aktivitäten verstärkt auf die Öffentlichkeitsarbeit zu richten. Man hatte die enge Verzahnung von militärischen und zivilen Seeinteressen der Bundesrepublik Deutschland erkannt. Dafür wollte Admiral Schumann eine Plattform für den maritimen Gedankenaustausch errichten. In der Öffentlichkeit sollte eine Förderung für das Verständnis der Bedeutung der See und der maritimen Zusammenhänge erreicht werden.

Zur Erreichung dieser Ziele waren tiefgreifende strukturelle Veränderungen notwendig. 1973 wurde das "Deutsche Marine Institut", seit 2011 "Deutsches Maritimes Institut" (DMI) gegründet, eine projektbezogenen Arbeitsgruppe, die mit Rückendeckung durch die MOV Spezialaufgaben durchführen soll. Die Verbandszeitschrift wurde 1973 als "Marineforum" zu einer Fachpublikation über seebezogene Aspekte unserer Sicherheitspolitik, Technik, Forschung, Wirtschaft und Geschichte umgestaltet. Seit 2004 besteht das "Deutsche Maritime Kompetenz Netz" (DMKN), ein Internetforum der maritimen Branche Deutschlands als Weiteres Organ der MOV.

So kann als Fazit nach mehr als 90 Jahren festgehalten werden: Die Marine-Offizier-Vereinigung ist vom Beginn ihrer Gründung an eine Wertegemeinschaft. Sie war bis 1945 eine für diese Zeit typische Standesorganisation, die sich aber 1952 nach ihrer Neugründung in der Bundesrepublik Deutschland schon bald die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung zu eigen gemacht hat. In der MOV haben sich aktive und ehemalige Marineoffiziere, Marineoffizieranwärter und alle, die sich der Marine verbunden fühlen, zu einer Gemeinschaft, die vom Lebensalter her gesehen, drei Generationen umfasst, zusammengeschlossen.

In der MOV finden Mitglieder, die ihren Beruf nicht nur als Job auffassen, geistig aufgeschlossen, unabhängig und kritisch-konstruktiv denken und handeln, über ihre fachlichen Aufgaben hinaus an maritimen Belangen interessiert sind und diese mitgestalten wollen, eine berufliche und geistige Heimat. Unter dem Dach der MOV werden durch die Organisationen DMI und MOH, sowie dem „Marineforum“ und dem DMKN in unterschiedlichsten Veranstaltungen und Veröffentlichungen durch ein großes Netzwerk Zusammengehörigkeit und der Austausch eines beachtlichen Wissens- und Erfahrungsschatzes gepflegt.

 

Dr. Heinrich Walle