Geschichte

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Vor 65 Jahren Jahren: Neugründung der MOH

Die am 12. November 1918 als Notgemeinschaft zur Unterstützung von Offizieren der Kaiserlichen Marine gegründete Marine-Offizier-Hilfe (MOH) war von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs 1945 verboten worden. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich viele Marineoffiziere wieder zu örtlichen Messen zusammen. Eine Wiedergründung der MOH, die damals erwogen wurde, standen vorerst die Kontrollratsgesetze der Nachkriegsjahre  entgegen. Doch zu Beginn des Jahres 1952 ergaben sich beschränkte Möglichkeiten für ein Aufleben der MOH.

Am 16. März 1952 wurde die MOH in Krefeld neu wieder ins Leben  gerufen. Der 1. Vorsitzende war Kapitän zur See a.D. Bonatz. An der Gründungsversammlung haben über 50 junge und alte Kameraden – hauptsächlich aus nahen Orten an Rhein und Ruhr -  mit 150 übertragenen Stimmen aus dem ganzen Bundesgebiet teilgenommen. Nach einer Pause von acht Jahren erschien im August 1952 die erste Ausgabe der MOH-Nachrichten. Am Gründungstag zählte die MOH 227 Mitglieder, Ende Juli 1952 waren es bereits 450, Weihnachten verbuchte die MOH 938 Mitglieder  und ein Jahr später war die Mitgliederzahl auf 2.200 angewachsen. Ihr Zweck war cum grano salis der gleiche wie der aus dem Jahre 1918: Gegenseitige kameradschaftliche Hilfe und Unterstützung nach dem verlorenen Krieg, vor allem bei dem Bemühen, einen neuen Beruf/Anstellung zu finden.

Mit dem Aufbau der Bundeswehr kam seit 1956 die Notwendigkeit der Pflege einer engen Verbunden­heit zur neuen Bundesmarine hinzu. 1966 wurde die MOH wieder in "Marine-Offizier-Vereinigung" (MOV) benannt, die bis heute das organisatorische Dach bildet, während sich die MOH auf die Wahrnehmung der sozialen Aufgaben konzentrieren konnte. In der langen Geschichte der MOV ist der Zeitraum von 1963 bis 1978, als Flottillenadmiral a.D. Alfred Schumann (1902 - 1985) den Vorsitz innehatte, die wohl prägendste Zeit gewesen, da hier Wege eingeschlagen wurden, die gegenwärtig noch Sinn und Akti­vitäten von MOV, MOH und DMI maßgeblich bestimmen. Der Vorsitzende und seine noch im aktiven Dienst stehenden Helfer, damals noch junge, aber nicht mehr kriegsgediente Stabsoffiziere, waren sich bewusst, dass die MOV kein Veteranenverein sein durfte. Man hatte erkannt, dass eine Vereinigung von Offizieren, die schwerpunktartig und ausschließlich die Pflege der Kameradschaft betrieb, viele der jün­geren Marineoffiziere nicht mehr ansprach. So begann die MOV ihre Aktivitäten verstärkt auf die Öffentlichkeitsarbeit zu richten. Man hatte die enge Verzahnung von militärischen und zivilen Seeinteressen der Bundesrepublik Deutschland erkannt. Dafür wollte Admiral Schumann eine Plattform für den maritimen Gedankenaustausch errichten. In der Öffentlichkeit sollte eine Förderung für das Verständnis der Bedeutung der See und der maritimen Zusammenhänge erreicht werden.

Zur Erreichung dieser Ziele waren tiefgreifende strukturelle Veränderungen notwendig. 1973 wurde das "Deutsche Marine Institut", seit 2011 "Deutsches Maritimes Institut" (DMI) gegründet, eine projektbezogenen Arbeitsgruppe, die mit Rückendeckung der MOV maritimes Gedankengut öffentlich vertreten und verbreiten soll. Die Verbandszeitschrift wurde 1973 als "Marienforum" zu einer Fachpublikation über seebezogene Aspekte unserer Sicherheitspolitik, Technik, Forschung, Wirtschaft und Geschichte umgestaltet. Seit 2004 besteht das "Deutsche Maritime Kompetenz Netz" (DMKN), ein Internetforum der maritimen Branche Deutschlands als Weiteres Organ der MOV.

Die Marine-Offizier-Vereinigung ist seit Beginn ihrer Gründung vor über 90 Jahren eine Wertegemeinschaft. In der MOV haben sich aktive und ehemalige Marineoffiziere, Marineoffizieranwärter und Personen, die sich der Marine verbunden fühlen, zu einer Gemeinschaft, die vom Lebensalter her gesehen, drei Generationen umfasst, zusammengeschlossen.

In der MOV finden Mitglieder, die ihren Beruf nicht nur als Job auffassen, geistig aufgeschlossen, unabhängig und kritisch-konstruktiv denken und handeln, über ihre fachlichen Aufgaben hinaus an maritimen Belangen interessiert sind und diese mitgestalten wollen, eine berufliche und geistige Heimat. Unter dem Dach der MOV werden durch die Organisationen DMI und MOH, sowie dem Marineforum und dem DMKN in unterschiedlichsten Veranstaltungen und Veröffentlichungen durch ein großes Netzwerk kameradschaftliche Zusammengehörigkeit und der Austausch eines  beachtlichen Wissens- und Erfahrungsschatzes gepflegt.

 

Dr. Heinrich Walle