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Maritimes.Berlin.2018

Das Maritime Hauptstadt Forum (MHF) war am 21. Februar 2018 zu Gast in der Britischen Botschaft in Berlin. In der Wilhelmstraße, direkt hinter dem „Hotel Adlon“, trafen sich erstmalig in diesem Jahr Abgeordnete des Deutschen Bundestages, deren Mitarbeiter, Vertreter aller maritimen Bereiche und Freunde des MHF zu einem Meinungsaustausch zum Thema „Die maritime Dimension der Globalisierung“.

Nach einem small talk bei Sekt und alkoholfreien Getränken begrüßte der britische Verteidigungsattaché, Brigadegeneral Rob Ryder, die anwesenden ca. 70 Gäste stellvertretend für „Her Britannic Majesty’s Ambassador to the Federal Republic of Germany“, Sir Sebastian Wood.
Der derzeitige Vorsitzende des MHF-Lenkungskreises, Daniel Hosseus (Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (ZDS) begrüßte die Teilnehmer und stellte kurz das Maritime Hauptstadt Forum, dessen Absichten und Ziele vor, um dann überzuleiten auf den Impulsvortrag des Abends:
„Bedeutung und Erfolge von Globalisierung und Freihandel“.

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. in Essen und Professor für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (die sogenannten „Fünf Wirtschaftsweisen“) konnte für diesen Vortrag gewonnen werden.

In dem vom Sachverständigenrat erstellten Jahresgutachten 2017/18 befasst sich ein Kapitel vertiefend mit dem Thema „Protektionismus verhindern, Strukturwandel unterstützen“.

Prof. Schmidt stellte eindrucksvoll die in dem Kapitel beschriebene wirtschaftlich positive Entwicklung aufgrund von Globalisierung von 1870 bis heute dar. Kostensenkungen bei Transport und Kommunikation haben wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen.
Festzustellen ist auch, dass mit Anstieg der Weltbevölkerung der Anteil der „Armen“ relativ gefallen ist (mit Ausnahme von Afrika). Theoretisch und empirisch sind Wohlstandsgewinne, die auf internationale Arbeitsteilung zurückzuführen sind, nachzuweisen.
„Wer will, das alle reicher werden, kommt an internationaler Arbeitsteilung nicht vorbei“ so Schmidt.
Hingegen sind bei Protektionismus oder auch nur Zollerhöhungen negative Auswirkungen auf Exporte und Bruttohaushaltseinkommen zu verzeichnen.
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung des Handels (Import/Export) in einzelnen Regionen und Ländern. Ein starker Anstieg des Handels ist mit China und Osteuropa zu verzeichnen (wobei die westeuropäischen Länder sehr unterschiedlich am Außenhandel teilnehmen). Deutschland zählt zweifellos zu den Gewinnern. Im Gegensatz dazu ist der Handel der USA mit China rückläufig.

Im letzten Teil des Vortrags betrachtete Prof Schmidt die Entwicklung der Löhne, Wohlstandsteigerung und Wohlstandgewinne bei Globalisierung und Arbeitsteilung. „Sinkende Preise haben unterschiedliche Effekte auf einzelne Haushalte. Ärmere Haushalte geben mehr für Güter aus, die per Saldo importiert werden. Die relativen Handelsgewinne sind für ärmere Haushalte daher größer. Durch Handel verringern sich auch die Preise von nicht gehandelten Gütern. Handel führt auch zu Wohlfahrtssteigerungen durch Steigerung der Produktvielfalt“.

„Diese Wohlfahrtsgewinne dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden; daher ist protektionistischen Tendenzen entgegen zu treten, Handelshemmnisse weiter abzubauen, ein gutes Steuer- und Transfersystem einzurichten und ein harter Brexit zu vermeiden“ so Schmidt in seinen Schlussworten. mehr

Dem Vortrag folgte ein Maritimes Podiumsgespräch, moderiert durch den Journalisten Heinz Schulte, Chefredakteur „griephan“ (Foto Bildmitte).
Die Angehörigen des MHF Lenkungskreises (auf dem Foto von links nach rechts):
Dr. Ullrich Hautau, Referent Standortpolitik, Häfen und Verkehr der Handelskammer Bremen (in Vertretung von Herrn Dr. Andreas Otto, Geschäftsführer Maritime Wirtschaft der IHK-Nord) ; Dr. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer, Verband für Schiffbau und Meerestechnik e.V. (VSM) ; Heinz Schulte ; Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR) ; Vizeadmiral a.D. Hans-Joachim Stricker, Präsident Deutsches Maritimes Institut (DMI) e.V. ; Daniel Hosseus,  Hauptgeschäftsführer Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (ZDS)
begannen mit einer Vorstellung ihrer Verbände
Die Fragen:
„Warum ist das Maritime Hauptstadt Forum (MHF) wichtig? Welche Erwartungen haben die Mitglieder des MHF an das politische Berlin?“
beantworteten die Podiumsteilnehmer aus Sicht ihrer jeweiligen Bereiche. Maritime/Globale Produktions- Handels- und Sicherheitsaspekte, Erhalt und wo nötig Verbesserung von Rahmenbedingungen, die den Wohlstand erhalten und gesundes Leben weiter ermöglichen, wurden u.a. genannt. Des Weiteren: Globalisierung näher betrachten. So zum Beispiel die Globalisierung „chinesischer Prägung“. Was bedeutet diese für Europa („rich but divided“) und insbesondere Deutschland hinsichtlich internationaler Einflussnahme Chinas?
Vizeadmiral a.D. Stricker fasste die Bedeutung des Maritimen Hauptstadt Forum wie folgt zusammen: „Das MHF ist dazu da, dem maritimen Berlin eine Heimat zu geben“.
Der Abend klang aus mit interessanten Gesprächen, leckerem Fingerfood und gekühlten Getränken.

Text und Fotos: Hartmut Renzel