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54. Historisch-Taktische Tagung

100 Jahre „Weltenbrand“ - Die Gegenwärtigkeit des Ersten Weltkrieges.

In seiner Begrüßungsansprache vor 430 geladenen Gästen betonte der Stellvertreter Inspekteur Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, dass die diesjährige HiTaTa nunmehr zum zweiten Mal im Neuen Format als Veranstaltung für die Marine stattfindet.
Da viele Marineoffiziere ihren Dienst außerhalb der Marine versehen, ist die jährliche Zusammenkunft, die getreu nach der Forderung ihres Begründers, Konteradmiral Rolf Johannesson, kein wissenschaftlicher Kongress sein soll, auch eine inzwischen nahezu unverzichtbare Gelegenheit eines formellen und informellen Gedankenaustausches.

Der vor hundert Jahren ausgebrochene Erste Weltkrieg, ein Krieg mit bis dahin nie gekannten Opferzahlen bot Anlass zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik.
Es ging bei der diesjährigen HiTaTa nicht darum, historische Ereignisse vorzustellen, sondern die „Gegenwärtigkeit“ dieses Krieges zu betrachten. Wenngleich diese Geschichtskatastrophe nicht immer präsent ist, hat sie doch Auswirkungen bis zum heutigen Tage gezeigt und maßgeblich zum späteren Aussehen der politischen Landkarten, dem europäischen Miteinander aber auch dem Selbstverständnis eines Marineoffiziers beigetragen.

In sechs Vorträgen haben die Referenten diese Gegenwärtigkeiten vorgestellt und zusätzlich Trends und Entwicklungslinien aus der von ihnen bearbeiteten historischen Thematik aufgezeigt und bewertet.

Kapitänleutnant Thomas Szcepanski referierte über das Thema „Die nationalen Wahrnehmungen und Verarbeitung des Ersten Weltkrieges unter maritimer Perspektive“.
Dabei zeigte er auf, dass in Deutschland die Erinnerung an den Krieg 1914-1918 durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges weitestgehend verdrängt wurden, während beispielsweise in Australien die Erinnerung an die Teilnahme am Ersten Weltkrieg heute noch zur Förderung nationaler Identifikation dient.
Der Referent kam zur Erkenntnis, dass es einer heutigen Annahme, Aufarbeitung und vor allem Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg in Deutschland und besonders auch in der Marine bedarf.

Oberleutnant zur See Hans-Christian Stockfisch betrachtete in seinem Vortrag „Das Selbstverständnis des Marineoffiziers im Wandel des 20. Jahrhunderts“.
Ausgehend von den Idealvorstellungen in den Leitbildern für die Seeoffiziere der Kaiserlichen Marine und der nachfolgenden Marine, die als Soldaten bis 1945 alle Angehörige eines aus der Gesellschaft herausgehobenen Standes waren, bemängelte er das Fehlen eines klaren Leitbildes für die heutigen Marineoffiziere. Er beschrieb eine heutige Tendenz zur bloßen funktionalen Berufsauffassung und plädierte für die Schaffung eines neuen Leitbildes für Marineoffiziere mit dem Ziel, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln.

Frau Oberleutnant zur See Katrin Schmitt trug zum Thema vor: Moderne Waffentechnik als Ausweg der verfahrenen Situation der Kaiserlichen Marine? Der Einfluss der modernen Waffentechnik auf die Operationen und Operationsplanung der Marine am Beispiel der U-Boote. Die Referentin stellte den ambivalenten Verlauf der Nutzung der U-Boot-Waffe in zwei Weltkriegen dar. Sie vertrat die Auffassung, dass es sich um ein Waffensystem gehandelt habe, welches bezüglich seiner operativen Fähigkeiten zunächst unter- und dann überschätzt worden war. Sie kam zu dem Petitum: „Breite vor Tiefe“ und betonte die Wichtigkeit einer ausbalancierten Flottenplanung in der U-Boote ein wichtiger Teil sind.

„Vernachlässigte Logistik im Lichte maritimer Kriegsführung und deren Auswirkung auf spätere Seeversorgungspläne“ lautete das Thema des Vortrages von Oberleutnant zur See Florian Bones.
Der Vortragende konnte darlegen, dass die Marinelogistik bereits von Beginn des Ersten Weltkrieges an für die Marineführung von großer Bedeutung gewesen ist und darüber hinaus stetig in ihren Ausführungen angepasst und auf neue operative und technische Gegebenheiten abgestimmt wurde.
An Beispielen aus der gegenwärtigen Einsatzrealität verdeutlichte der Referent in welch hohem Maße unsere heutige Flotte von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Logistik profitiert.

Kapitänleutnant Udo Sonnenberger sprach über: „Maritime Machtverschiebungen im Mittelmeer vom Ersten Weltkrieg bis heute“
Das Referat war eine Darstellung der maritimen Machtverschiebungen im Mittelmeer seit 1914, wobei deutlich wurde, wie die Hegemonie über das Mittelmeer im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wechselte.
Der Vortragende zeigte auf, dass die Hegemonie über diesen Seeraum auch weiterhin einem Wandel unterworfen ist und er betonte die große geostrategische Bedeutung, die das Mittelmeer bezüglich funktionierender Handelswege bereits vor 1914 hatte und auch gegenwärtig noch besitzt. KptLt Sonnenberger kam zu der Feststellung, dass die Gebiete nördlich und südlich des Suezkanals auf absehbare Zeit eine erheblich strategische Relevanz behalten werden.

Mit dem Vortrag: 100 Jahre europäische und nordatlantische Bündnispolitik – Ursachen, Folgen, Ideen und Entwicklungen von Allianzen in Konflikten und danach“ von Oberleutnant zur See Patrick Riecher endete die Vortragsreihe.
In diesem Beitrag wurde in einem Rückblick auf zwei Jahrhunderte die Entwicklung der Bündnispolitik im europäischen und globalen Kontext vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass Sicherheitsvorstellungen einem steten Wandel unterworfen waren, wobei sich die europäischen Sicherheitskonzepte von einem gegenseitigen Gleichgewicht, der „Balance of Power“ über eine komplizierte und auf gegenseitigem Misstrauen basierende Bündnispolitik, zu einem Bündnis kollektiver Sicherheit entwickelt hat.
Einzig durch die Idee der europäischen Integration konnte auf der Grundlage eines gemeinsamen Wertekanons und gemeinsamer Interessen ein Sicherheitskonzept entstehen, welches ein zersplittertes Europa einte und seine Nationalstaaten befriedete.

Nach allen Vorträgen kam es zu einem lebhaften Gedankenaustausch im Plenum. Da die Referenten, wie bereits erwähnt, in ihren Ausführungen aus der Historie vornehmlich Trends und Entwicklungslinien gegenwärtiger Fragestellungen dargestellt hatten, wurden in der bemerkenswert engagiert geführten Diskussion auch in erster Linie aktuelle Probleme angesprochen.

Es herrschte allgemeine Übereinstimmung darüber, dass alle Vorträge von hoher Qualität waren.

Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

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